Warum Trauring-Kurse immer beliebter werden und was Brautpaare dabei so besonders genießen

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Ich habe mir letztens mal den Spaß gegönnt und den Begriff „Trauring“ bei Google eingegeben. Da wurde ich von knapp 500.000 Ergebnissen erschlagen. Das reicht von individuellen Anfertigungen bis hin zu Eheringen „von der Stange“ – mit ganz unterschiedlicher Qualität und unterschiedlichen Budgetansprüchen. Zeit, mal mit Imke zu sprechen, dachte ich.

Imke van der Voort ist eine von zwei Inhaberinnen des Goldschmiedeunternehmens „Tragkultur“ in Düsseldorf, das besonders im Bereich schöne, zeitgemäße Trauringe sehr gefragt ist. Zudem ist sie Mitbegründerin des Hochzeitsnetzwerks „Bube Dame Herz“ und seit Jahren aus der deutschen Hochzeitsbranche nicht mehr wegzudenken.

Trauringkurse sind im Trend

Imke, was sind aus deiner Sicht die ersten wichtigen Schritte auf der Suche nach dem perfekten Trauring?

Also zunächst einmal starten wir mit dem Beratungstermin. Hier nehmen wir uns 1-2 Stunden Zeit und besprechen ganz unverbindlich die Wünsche und Vorstellungen des Brautpaares. Häufig wird als erstes dann die Farbrichtung festgelegt, also lieber Silberfarben oder Gold. Dann ist die nächste Frage: steht mir das? Man kann z. B. auch sagen, ich finde Gold ganz toll, aber dieser klassische Gelbgoldton passt nicht zu meinem Hautton. Dann kann man zu einer anderen Farbgebung wechseln. Wenn es dann um Form und Design geht, können die Kunden zueinander passende Paarringe anfertigen lassen oder jeder für sich einen ganz eigenen Ring. Da passen die Ringe dann nicht unbedingt optisch zusammen, haben aber meist noch gemeinsame Parallelen. Alle Menschen sind eben individuell und da ist es ganz natürlich, dass sie auch mal verschiedene Geschmäcker haben – das ist dann auch oft einer der Gründe, warum Paare Eheringe individuell anfertigen lassen, weil sie sagen: „Wir können jetzt keine Ringe von der Stange finden, die zu uns passen“. Dementsprechend kann das Design der beiden Ringe dann auch unterschiedlich sein, wenn das für das Paar in Ordnung ist.

Wie viel zeitlichen Vorlauf sollten Brautpaare denn für die Anfertigung individueller Eheringe einplanen?

Zwölf bis drei Monate vorher wäre optimal, weniger Vorlauf mitten in der Hochzeitssaison ist dann schon problematisch – aber meistens nicht unlösbar ;-)

Gibt es Punkte, auf die ihr im Bereich Nachhaltigkeit bei euren Trauringen achtet?

Wir legen viel Wert darauf, nur mit Material zu arbeiten, das von der Herkunft her unbedenklich ist. Das heißt, dass das Gold oder Edelmetall so abgebaut wird, dass die Umwelt dabei nicht verschmutzt wird und Menschen nicht ausgebeutet werden. Wir arbeiten zum großen Teil mit in Deutschland recyceltem Material. Wenn man ganz sicher sein will, dass auch das ursprünglich abgebaute Material unter fairen Bedingungen und umweltfreundlich abgebaut wurde, gibt es Alternativen wie zum Beispiel finnisches Waschgold – über die verschiedenen Möglichkeiten informieren wir gerne während des Beratungsgesprächs. Grundsätzlich ist das ein Thema, dass uns sehr wichtig ist und wo wir unser Wissen kontinuierlich auf dem neuesten Stand halten.

Ist das Thema Allergien beim Trauringkauf relevant?

Es gibt hier und da schon mal Allergien gegen Palladium. Palladium ist z.B. in Weißgold enthalten oder kann auch als Material an sich genommen werden. Das kann man dann bewusst ausschließen. Im Großen und Ganzen sind aber Allergien bei den Edelmetallen eher weniger relevant.

Ihr bietet auch individuelle Trauringkurse an bei denen das Paar seine eigenen Ringe schmiedet. Ist das richtig?

Das stimmt, wir bieten Trauringkurse in Düsseldorf mit Rundum-Betreuung durch einen Goldschmied an. Der Kurs ist so ausgelegt, dass jeder Laie das hinbekommt. Wir garantieren dafür, dass man mit einem Ring nach Hause geht, der genau so aussieht, wie er aussehen soll. Wir leiten ganz detailliert durch die einzelnen Arbeitsschritte, wobei wir knifflige Aufgaben selbst ausführen. Der Kurs dauert 4-5 Stunden und das Brautpaar schmiedet dabei gemeinsam mit uns die Ringe in der Werkstatt.

Ich habe mir dazu auch euer Facebook-Profil und das Feedback eurer Kunden angeschaut. Es scheint ja ein echtes Highlight für die Paare zu sein, gerade was die Emotionalität angeht, gemeinsam mit dem Partner den Trauring herzustellen.

Ja genau. Den Paaren geht es darum, hinterher einen besonderen Bezug zu dem Ring zu haben, mit ihm etwas zu verbinden. Brautpaare haben während der Hochzeits-Vorbereitungszeit oft sehr viel Stress und der Kurs bietet eine kleine Pause davon und hilft ihnen, sich wieder auf das Wichtige zu konzentrieren: Gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen und sich noch einmal bewusst zu werden, warum man den anderen heiraten möchte. Alles ist sehr entspannt, die Paare können einzelne Momente mit der Kamera festhalten und haben später eine besondere Geschichte zu ihrem Ring, die sie noch ihren Enkelkindern erzählen können. Es gibt natürlich auch Paare, die sagen: „Nee. Mach du das mal lieber. Das ist nicht so meins.“ Diese Paare freuen sich dann auf ihre von uns individuell angefertigten Ringe.

Können die Paare in den Kursen aus den gleichen Materialien wählen wie sonst auch oder sind sie auf irgendeine Weise eingeschränkt?

Nein. In den Kursen kann fast alles genauso umgesetzt werden, wie wenn wir die Ringe für das Paar anfertigen würden. Es gibt bei der Herstellung ein paar wenige Ausnahmen, aber in der Regel haben die Paare alle Optionen. Zweifarbige Ringe bereiten wir dann z.B. anders vor, sodass der Aufwand im Kurs nicht ganz so hoch ist.

Kannst Du grob sagen wie viel Prozent eurer Paare ihre Trauringe von euch schmieden lassen und wie viel Prozent das im Rahmen eines Trauringkurses selbst in die Hand nehmen?

Ich würde sagen, das ist ungefähr gleich verteilt.

Gibt es Trends im Trauring-Bereich, die du für 2016 / 2017 siehst? Gibt es bestimmte Gravuren oder neue Materialien, spezielle Designs oder ist das eine relativ zeitlose Geschichte, die sich von Jahr zu Jahr nicht so wandelt?

Sowohl als auch. Es sind immer die Klassiker dabei, die sich nicht so wandeln, die ganz schlichten Ringe, weil Paare sagen, „das soll mir in 10 Jahren auch noch gefallen und in 20 auch noch“. Trotzdem gibt es natürlich Hochzeits-Trends, die sich auch im Schmuck spiegeln, schon seit ein paar Jahren ist das z.B. Roségold, das ist immer noch sehr gefragt.

Gold ist und bleibt aber beliebt – Gold ist ja der Klassiker für den Trauring. Weißgold, Platin und Silber sind Metalle, die gerade nicht ganz so stark vertreten sind wie noch vor ein paar Jahren. Es ist ja im Hochzeits-Bereich gerade das Vintage und das Boheme-Thema angesagt. Das spiegelt sich natürlich auch in den Metallen wider. Also in Oberflächenstrukturen und in ein bisschen naturistischeren Designs.

Fotos: Hanna Witte

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