Wer hat eigentlich die Ringe? – Mein Buchtipp für alle Brautpaare

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Thomas Sünder ist einer der Hochzeits-DJs der Republik. Schon bei seinem ersten Buch „Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen“ hat er zahlreiche wertvolle Tipps gegeben um Eure Hochzeit so perfekt wie möglich werden zu lassen. Ich musste häufig schmunzeln und dachte mindestens genauso oft: der führt mein Leben :)

Auch als Thomas und ich uns einmal persönlich ausführlich bei einem Abendessen kennengelernt haben, waren wir bei sehr vielen Themen bezüglich Hochzeiten einer Meinung.

Was liegt also näher als Ihn rechtzeitig vor dem Release seines neuen Buches einmal ausführlich zum Thema Trauzeugen zu interviewen? Jetzt meiner Meinung nach schon das perfekte Weihnachtsgeschenk für die Traumhochzeit 2017!

800.000 Trauzeugen werden pro Jahr auf Hochzeiten losgelassen – wie schlagen die sich denn so im Großen und Ganzen?

Durchwachsen. Ich erlebe viele engagierte Trauzeugen mit tollen Ideen. Aber manche sind auch etwas überengagiert, und viele ganz einfach überfordert. Die meisten haben keinerlei Erfahrung bei der Gestaltung von Events, und das schlägt sich dann häufig in gut gemeinten, aber schlecht gemachten Beiträgen nieder. Häufig werden sie verunsichert von außenstehenden Personen, die selbst keine Ahnung haben, aber ihnen reinreden, beispielsweise Mitgliedern der Familie. In diesem Fall ist es besonders wichtig, sich auf das zu konzentrieren, auf das es ankommt: nämlich darauf, was sich die Brautleute für ihre eigene Feier wünschen.

Du bist seit 12 Jahre Hochzeits-DJ: Was hat sich in deiner Trauzeugen-Wahrnehmung verändert?

Trauzeugen werden immer mehr von den Brautpaaren als private Eventmanager und „Mädchen für alles“ eingespannt. Die Erwartungen sind hoch und da ist es besonders wichtig für Trauzeugen, die eigenen Grenzen zu kennen und sie auch klar gegenüber den Gastgebern zu formulieren.

Wenn es in der Hochzeits-Vorbereitungszeit Stress gibt zwischen Brautpaar und Trauzeugen – woran liegt das deiner Erfahrung nach?

Fast immer liegt der Stress an schlechter Kommunikation. Die Brautleute sagen nicht klar, was sie sich von den Trauzeugen erhoffen, und die Trauzeugen erfassen die Wünsche des Brautpaars nicht richtig. Der vielleicht wichtigste Tipp heißt daher: Reden hilft! Wo immer etwas unklar ist, sollten beide Seiten nachfragen. Der größte Teil aller Pannen basiert auf unnötigen Missverständnissen.

Trauzeugen: Mädchen für alles? Oder was sind eigentlich die Hauptaufgaben von Trauzeugen? Und was ist mit den restlichen Aufgaben?

Ganz wichtig ist, das es keine klar definierten Aufgaben für Trauzeugen gibt, die für all die unterschiedlichen Feiern mit unterschiedlichen Menschen gelten. Es ist hoch individuell, was Brautpaare von ihren Trauzeugen erwarten und erhoffen, und umgekehrt. Häufig ist es schon so, dass Trauzeugen Mädchen für alles sind. Aber ich erlebe auch Feiern, wo sie fast gar nichts beisteuern, und wo trotzdem alle zufrieden sind. Das muss rechtzeitig vorher geklärt werden, sonst sind Unzufriedenheit und Tränen auf beiden Seiten vorprogrammiert. Es sind schon ganze Freundschaften daran zerbrochen.

Gibt’s in deinem Buch eine Checkliste für Trauzeugen? Was wird gerne mal vergessen? Wovor drücken sich Trauzeugen – verständlicherweise – gerne?

Ich halte nicht viel von vorgefertigten Checklisten, da das Ehrenamt der Trauzeugen höchst unterschiedlich ausfällt. Mein Buch hilft ihnen, die richtigen Fragen zu stellen, eigene Ideen zu entwickeln und vor allem zu prüfen, ob diese Ideen in der Realität auch wirklich funktionieren werden. Ich habe über 500 Hochzeiten begleitet und schon alles Mögliche gesehen. Diese Erfahrungen gebe ich an die Leser weiter. Das ist häufig sehr lustig, denn worüber lacht man lieber, als über die Pannen anderer – die einem selbst natürlich nach der Lektüre nicht passieren werden!

Höhen und Tiefen: Was war dein schönstes Trauzeugen-Erlebnis? Und wann ging es mal besonders schief?

Ich muss gestehen, dass Pannen, oder zumindest mäßige Beiträge, weit häufiger waren, als Höhenflüge. Das war ein ganz wichtiger Grund für mich, das Buch zu schreiben, um genau diesen kleinen Katastrophen vorzubeugen. Ich hatte teilweise mit Trauzeugen zu tun, die akribisch genau das umgesetzt haben, was die Brautleute NICHT wollten: Ein blödes Hochzeitsspiel nach dem nächsten, viel zu viele Beiträge, und das alles mit katastrophalem Timing. Aber es gab auch viele Highlights, beispielsweise Flashmobs, bei denen alle Hochzeitsgäste mit tanzten, inklusive Oma und Opa. Oder ganz individuell gestaltete Filmbeiträge, die einen Oscar für persönliches Engagement verdient hätten. Bei einer Feier haben die Trauzeugen es geschafft, das Paar mit einem besonderen Geschenk aller Gäste zu überraschen: Flugtickets nach New York und Konzertkarten für Billy Joel, dem absoluten Lieblingskünstler des Brautpaars. Als die Brautleute das überreicht bekamen, konnten sie ihr Glück gar nicht fassen. Das ging nur, weil alle Gäste zusammen gelegt haben und so etwas muss natürlich von langer Hand geplant werden. Mein Buch soll Trauzeugen ermutigen, weit über den Tellerrand von traditionellen Bräuchen hinauszuschauen und genau den richtigen Beitrag oder das richtige Präsent für ihr liebes Paar zu finden.

Die Hochzeitsbranche hat sich in den letzten sechs Jahren massiv weiterentwickelt. Ist das bei den Trauzeugen auch schon angekommen? Oder werden da immer noch Herzen aus Bettlaken ausgeschnitten, langweilige Filme geguckt und peinliche Spiele abgefeiert?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen urbanen und ländlichen Regionen. In der Provinz werden häufig noch Bräuche aus grauer Vorzeit zelebriert, auf die eigentlich niemand Lust hat. Aber auch das lässt sich vermeiden und gerade hier können gut vorbereitete Trauzeugen Wunder wirken.

Was hast du persönlich aus der Hochzeitssaison 2016 mitgenommen?

Wenig Schlaf und 20.000 zurückgelegte Kilometer. Das zehrt natürlich an den Kräften. Aber dafür habe ich auch viele magische Momente voller Emotionen auf Feiern in der ganzen Republik miterleben dürfen, wofür ich sehr dankbar bin. Einige dieser Erlebnisse konnte ich direkt in meinem Buch verarbeiten.

Dein Ausblick 2017: Was kommt?

Hoffentlich viele Traumhochzeiten mit noch weniger Pannen. Weil jetzt nicht nur die Brautpaare genau wissen, wie sie erfolgreich ihre Wünsche umsetzen können, sondern auch die Trauzeugen.

Thomas Sünder

Copyright: Michaela Kuhn

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