Musikwünsche auf der Hochzeit – ein Partykiller?

 In Blog, Heiraten, Hochzeiten

Neben der Frage nach dem Eröffnungstanz sind das die absoluten Top-Fragen meiner Brautpaare. Weil das zugegebenermaßen ein wirklich wichtiges Thema ist, mit dem die Party stehen oder fallen kann, habe ich euch hier noch einmal meine 10 TOP-Tipps zusammengestellt.

  1. Die GO-Liste des Brautpaars – 30 Songs reichen
    Eine kleine Liste mit Wunsch-Songs von jeweils Braut und Bräutigam – Songs, die sie an dem Abend auf jeden Fall hören wollen – ist super, denn daran kann ich schon ablesen, in welche Musikrichtung der Abend gehen wird. Es ist gängig, dass Braut und Bräutigam in vielen Fällen einen unterschiedlichen Musikgeschmack haben. Die GO-Liste der beiden sollte in der in der Summe – also beide zusammen – nicht 30 Songs überschreiten. 30 Songs sind ungefähr zwei Stunden Musik, also nicht so wenig. Ich habe auch schon Fälle gehabt, wo eine Braut mir 15 Monate vor der Hochzeit eine Excel-Liste mit 187 Songs gezeigt hat, die sie gut fände für den Abend. Davon rate ich ab! Aus folgendem Grund: 187 Songs reichen a) für anderthalb Hochzeiten und b) ist da nullkommanull Überraschung für das Brautpaar dabei. Eine so umfassende Liste gibt mir auch keinerlei Flexibilität eigene Dinge einzubringen, aber genau dafür bucht ihr ja einen DJ. Die Hauptqualität eines Hochzeits-DJs oder DJs, der für bunt gemischte Gesellschaften spielt, ist abzulesen: Was funktioniert hier, wie setzt die Gesellschaft sich zusammen, in welche musikalische Richtung geht der Abend? Ist heute mehr HipHop, mehr House oder sind mehr deutsche Songs gefragt? Lasse ich die 80er weg? Das sind Punkte für die ihr euren Hochzeits-DJ bucht. Wenn ihr euren DJ mit einer zu langen Liste in ein Korsett drängt, kann er an dem Abend nicht mehr auf die Gäste reagieren.
    Die GO-Liste gebt ihr am besten erst eine Woche vor dem Hochzeitsdatum ab, denn aktuelle Hits spielen in diese Liste immer mit rein.
  2. Die GO-Liste – Verfügbarkeit von Songs am Hochzeitsabend
    Eine GO-Liste des Brautpaars zu haben, also die Top-Musikwünsche, ist auch deshalb für mich wichtig, da ich so sicherstellen kann, dass ich diese Songs an dem Abend auch dabei habe. Falls ich sie nicht besitze, kann ich sie vorher kaufen. Oder wenn ein Paar sich bestimmte Genres intensiver wünscht als das vielleicht auf anderen Hochzeiten der Fall ist – z.B. bei multinationalen Hochzeiten – muss auch ich mich vorbereiten. Denn z.B. bei Balkan-Beats oder indischer Musik bin ich nicht so fit wie bei gängigen Genres. Das ist alles kein Problem, es muss nur vorab deutlich kommuniziert werden, damit später alles glatt läuft. Vor Ort am Hochzeitsabend bin ich normalerweise durch ein gekoppeltes iPad oder iPhone online und kann sogar auch spontan auf Musikwünsche reagieren, die ich in meiner aktuellen Bibliothek nicht dabei habe. Ich kann dann vor Ort noch spezielle Songs per iTunes runterladen, das ist aber nie 100% sicher. Denn es gibt Locations, die haben kein WLAN und liegen wie man so gerne sagt, mitten in der Pampa, so dass ich keinen Empfang habe (obwohl ich schon immer mehrere SIM-Karten dabei habe) oder ein Download am Ende eine halbe Stunde dauert.
  3. Die NO GO-Liste – was ihr gar nicht auf eurer Hochzeit hören wollt
    Eine NO GO-Liste mit Songs, die ihr auf keinen Fall hören wollt, ist ebenfalls absolut hilfreich für euren DJ. Eine NO GO-Liste definiere ich auf zweierlei Art: Einmal die strikte NO GO-Liste und einmal die softe. Bei der strikten sagt das Brautpaar: Wenn sich meine Tante „Atemlos“ von Helene Fischer wünscht, dann möchte ich das auf keinen Fall hören, weil das meine Hochzeit ist und nicht die meiner Tante. Das kann ich als DJ nur unterstreichen: Lasst euch grundsätzlich bei eurer Hochzeit nicht von zu vielen Leuten reinreden. Die softe NO GO-Liste enthält Songs oder Genres, die das Brautpaar nicht ganz so sehr mag, die aber in Maßen ok sind, sollte sich ein Gast in dieser Richtung etwas wünschen.
  4. Musikwünsche von Gästen vorab – ist eure Hochzeit ein Wunschkonzert?
    In der Hochzeitssaison 2014/2015 war es auf einmal total angesagt, dass Brautpaaren ihren Gästen die Möglichkeit gegeben haben, vorab Musikwünsche zu äußern. Da wurden Gäste via der Save the Date-Karte oft dazu aufgefordert, ihren Lieblingssong vorab zu schicken. Hier gebe ich aber zu bedenken: 100 Gäste sind im Schnitt 60 Songs (denn nicht jeder äußert einen Wunsch-Song) und das sind in Summe drei bis vier Stunden Musik. Damit schränkt ihr die Flexibilität eures Hochzeits-DJs am Abend weiter ein.
  5. Musikwünsche eurer Gäste vorab – Achtung vor den Party-Tigern
    Wovon ich abraten möchte, ist die Frage nach dem Musikwunsch der Gäste offen zu gestalten. So nach dem Motto: Ihr könnt uns gerne per E-Mail eure Musikwünsche zuschicken. Das hat in der Regel folgende Ergebnisse gebracht: Von den z.B. 100 Gästen melden sich 90 gar nicht, meist aus dem simplen Grund, dass sie so weit im Voraus noch keinen Bezug zum Party-Abend haben. Die restlichen zehn Gäste dagegen sind sehr musik- oder partyaffin. Diese zehn sagen: Oh klasse, da schicke ich mal 10-20 Wünsche hin. Denn wenn ich 20 Lieder schicke, werden zehn bestimmt berücksichtigt, sonst würde man uns doch gar nicht fragen. Damit endet ihr wieder bei 10×10 Wünschen, die ihr eurem DJ in die Hand drückt. Macht es lieber so, dass ihr eure Gäste darauf hinweist – ob vorab oder am Abend selbst – dass sie sich gerne beim DJ einen Song wünschen dürfen.
  6. Am Hochzeitsabend – aus welchen guten Gründen euer DJ Songs ablehnt
    Am Tag der Hochzeit selbst bin ich der letzte, der ein Problem mit Musikwünschen hat. Es gibt jedoch ein paar Ausnahmen. Die erste Ausnahme sind Songs, die auf der strikten NO GO-Liste stehen. Songs, die auf dieser Liste stehen, spiele ich nicht. Die Liste drucke ich mir aus und nehme sie mit und wenn sich an dem Abend jemand ausgerechnet ein Lied von der Liste wünscht, halte ich ihm oder ihr die Liste schwarz auf weiß vor die Augen, und sage: Das möchte das Brautpaar leider nicht.
    Die zweite Ausnahme, die ich mache, ist mein subjektives Empfinden – das passt allerdings meistens. Als Hochzeits-DJ sehe ich es als meine Aufgabe an, die Party nach dem Eröffnungstanz auf einem bestimmten Level zu halten. Sprich, wenn ein Musikwunsch kommt, der die Stimmung deutlich runterziehen würde, dann sage ich dem Gast höflich aber bestimmt, dass ich diesen Wunschsong gerne spielen kann, aber eher zum Ende des Abends hin.
    Ein schönes Beispiel: Neulich war eine Hochzeits-Party in vollem Gange, die Leute hatten eine gute Zeit, die Tanzfläche war pickepacke voll und es liefen gerade aktuelle Songs. Dann kam ein relativ junger Gast auf mich zu, bei dem ich die Hoffnung hatte, dass er sich etwas Aktuelles, Tanzbares wünschen würde. Aber: Er fragte mich, ob ich als nächstes nicht mal Wind of Change von den Scorpions spielen könne. Ob der Song schlecht, gut oder grauenhaft ist, will ich hier gar nicht beurteilen ;-) aber das ist ein Fall, wo ich dem Gast sage: Schau mal, wie gerade die Stimmung ist, was meinst du würde passieren, wenn ich deinen Musikwunsch als nächstes spiele? Er musste mir recht geben, dass die Party-Energie durch diesen Song nicht gehalten werden würde. Das heißt nicht, dass ich den Wunsch nicht später bringen könnte (in dem Fall von Wind of Change habe ich ihn später nicht gebracht ;-)), aber es muss einfach passen.
    Die dritte Ausnahme sind Songs, die ich bereits gespielt habe. Wenn man von einer Partyzeit von 22.30 Uhr, nach dem Eröffnungstanz, bis zum Ende der Party um 5.00 Uhr ausgeht, sind das 6,5 Stunden Party, das entspricht ca. 120-130 Liedern. Das ist eine relativ überschaubare Anzahl an Songs. Deswegen ist es überhaupt nicht nötig, Songs doppelt zu spielen. In manchen Fällen kommt vor, dass ich Songs doppelt spiele, das sind aber maximal zwei bis drei Songs und das sind dann die aktuell angesagten Hits. In dem Fall ist es meist so, dass ich sie vereinzelt zum Anfang spiele und dann später auch gerne nochmal auf Gästewunsch hin. Mir ist wichtig, dass der Abend musikalisch abwechslungsreich ist. Ich möchte nicht zweimal die gleichen drei Stunden Musik spielen, nur weil die ersten drei Stunden so gut funktioniert haben.
  7. Dramaturgie und Geduld sind wichtig, damit die Party den richtigen Flow hat
    Eine gewisse Spannungskurve ist sehr wichtig für den Party-Abend. Dazu gehört, dass ein Hochzeits-DJ nicht unmittelbar nach dem Eröffnungstanz die 15 größten Hits der letzten zwei Jahre verballert und dann sagt: Oh, und jetzt? Man braucht einfach eine gewisse Dramaturgie im DJ-Set. Als Braut und Bräutigam müsst ihr eurem DJ auch soweit vertrauen, dass er eure Wunschliste über den Abend verteilt unterbringt. Es ist eher ein schlechtes Zeichen, wenn sämtliche Knaller-Songs direkt zum Start des Abends gespielt werden. Also gebt ihm oder ihr Zeit!
  8. Euer Hochzeits-DJ ist keine lebende Jukebox
    Grundsätzlich spiele ich Musikwünsche relativ schnell, aber nicht jukeboxmäßig direkt als nächsten Song. Das hat einen Grund: Wenn man das macht, motiviert das den einzelnen Gast, nochmal und nochmal und nochmal zu kommen, weil der DJ den Wunsch ja direkt gespielt hat. Wenn man dann aber fünf bis sieben Gäste hat, die sich wirklich viel wünschen, dann wird das ganz schnell fremd gesteuert. Und hat auch keinen roten Faden mehr. Um den roten Faden aber musikalisch – auch geschwindigkeitsmäßig mit beats per minute – am Laufen zu halten, muss ich mir dann manchmal eine kleine Brücke bauen, um zu dem Wunschsong zu kommen. Das kann schon mal 15-20 Minuten dauern. Ich sehe mich hier aber auf jeden Fall als Dienstleister und versuche die Wünsche immer einzubringen.
  9. Konkret ist Trumpf: Bitte nicht vorsingen!
    Für alle Anwesenden – egal ob Brautpaar oder Gäste – gilt: Geht mit einem konkreten Musikwunsch zum DJ. Es raubt eurem DJ Zeit, wenn ihr mit ihm Rätselraten spielt und ihm evtl. sogar noch etwas vorsingt, denn er muss den nächsten Song vorbereiten und hat wenig Zeit sich darauf einzulassen. „Konkret“ heißt auch nicht zu sagen: Spiel doch mal was Schönes, spiel doch mal was Tanzbares, spiel doch mal Rock, spiel doch mal was aus den Charts. Das ist einfach zu unspezifisch. Wenn so ein Gespräch dann an die drei Minuten dauert, ist es für den DJ richtig schwierig höflich zu sein, zuzuhören und gleichzeitig seinen Job gut zu machen. Denn um den nächsten Song reinzumixen, muss man sich als DJ konzentrieren. Wenn ihr also einen Musikwunsch habt, dann kommt immer mit einem ganz konkreten Wunsch auf den DJ zu.
  10. Das richtige Timing macht die Musik!
    Wenn ihr einen Musikwunsch äußern möchtet, macht das am besten am Beginn eines Songs, und eher nicht zehn bis fünfzehn Sekunden vor Songende. Denn dann muss der DJ sich um den Übergang zum nächsten Song kümmern. Wenn der DJ also seine Kopfhörer aufhat und erst einmal nicht reagiert, dann wartet geduldig einen Moment, bis er den letzten Song in den nächsten gemixt hat. Denn das sorgt für einen guten Party-Flow. Und dann kann es direkt weitergehen mit euren Songwünschen.
Recent Posts